Simvastatin: Wirkung und Einnahme

Simvastatin gehört zu den Statinen: Es hemmt die körpereigene Cholesterinbildung in der Leber und senkt vor allem das LDL-Cholesterin. Eingesetzt wird es zusätzlich zu einer cholesterinsenkenden Ernährung, etwa bei erhöhten Blutfetten oder bei hohem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Seite erklärt die Einnahme, wann Muskelbeschwerden ernst zu nehmen sind und welche Arzneimittel und Lebensmittel nicht zu Simvastatin passen.

Wie Simvastatin wirkt und wann es eingesetzt wird

Laut Packungsbeilage senkt Simvastatin das Gesamtcholesterin, das LDL-Cholesterin und die Triglyzeride und erhöht das HDL-Cholesterin. LDL-Cholesterin kann sich in den Gefäßwänden ablagern und dort Plaques bilden, die Arterien verengen; ein Gefäßverschluss kann einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen. Erhöhte Werte spürt man meist nicht, sie fallen erst im Bluttest auf. Einen Überblick über Statine gibt die Kategorie Cholesterin, ein weiteres Statin beschreibt die Seite zu Rosuvastatin.

Wie groß der Nutzen ist, hängt vom persönlichen Risiko ab. Nach dem Gesundheitsportal des IQWiG ist der schützende Effekt von Statinen bei Menschen ohne Vorerkrankungen und mit nur leicht erhöhtem Risiko geringer; für sie lohnt es sich besonders, Vor- und Nachteile mit dem Arzt abzuwägen. Die Gebrauchsinformation nennt diese Anwendungsgebiete, jeweils zusätzlich zu einer cholesterinsenkenden Diät:

  • erhöhte Cholesterinwerte (primäre Hypercholesterinämie) oder erhöhte Blutfette (gemischte Hyperlipidämie)
  • homozygote familiäre Hypercholesterinämie, eine erbliche Erkrankung, oft zusammen mit weiteren Behandlungen
  • koronare Herzkrankheit oder ein hohes Herz-Kreislauf-Risiko, etwa bei Diabetes, nach einem Schlaganfall oder bei einer anderen Gefäßerkrankung; Ziel ist hier, das Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen zu verringern, unabhängig von der Höhe der Cholesterinwerte

Dosierung und Einnahme laut Packungsbeilage

Die Tablettenstärke legt der Arzt nach Erkrankung, bisheriger Behandlung und persönlichem Risiko fest. Die empfohlene Dosis liegt zwischen 5 und 80 mg einmal täglich, mehr als 80 mg pro Tag dürfen nicht genommen werden. Die Dosis von 80 mg ist nur für Erwachsene mit stark erhöhten Cholesterinwerten und hohem Risiko für Komplikationen am Herzen vorgesehen, die ihre Zielwerte mit einer niedrigeren Dosis nicht erreicht haben. Die cholesterinsenkende Ernährung läuft während der Behandlung weiter.

Genommen wird die Tablette mit einem Glas Wasser am Abend, weil die körpereigene Cholesterinbildung in der Leber vor allem nachts stattfindet; die Mahlzeiten spielen dabei keine Rolle. Wer zusätzlich Colestyramin oder einen anderen Anionenaustauscher nimmt, nimmt Simvastatin mindestens 2 Stunden davor oder mindestens 4 Stunden danach. Bei bestimmten Begleitmitteln oder Nierenerkrankungen kann der Arzt eine niedrigere Dosis verordnen.

Eine vergessene Tablette wird nicht doppelt nachgeholt; die Einnahme geht am nächsten Tag zur gewohnten Zeit weiter. Bevor Sie Simvastatin absetzen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, denn die Cholesterinwerte können wieder ansteigen.

PersonengruppeBeginnSteigerung und Höchstdosis
Erwachsene10 mg oder 20 mg täglich, in einigen Fällen 40 mgnach mindestens 4 Wochen bis höchstens 80 mg täglich
Kinder und Jugendliche von 10 bis 17 Jahren10 mg täglich am Abendhöchstens 40 mg täglich

Muskelschmerzen unter Simvastatin: wann es ernst ist

Schmerzende oder müde Muskeln sind eine mögliche Nebenwirkung von Statinen. Nach dem Gesundheitsportal des IQWiG sind Muskelbeschwerden aber auch ohne Statine häufig; die Behandlung beim ersten Verdacht eigenmächtig zu beenden, ist deshalb nicht sinnvoll. Unklare Muskelschmerzen, Empfindlichkeit oder Schwäche besprechen Sie laut Packungsbeilage unverzüglich mit Ihrem Arzt; manchmal kommt ein anderer Wirkstoff oder eine niedrigere Dosis infrage.

Ernst wird es bei einem Muskelzerfall (Rhabdomyolyse). Er zeigt sich durch Muskelschmerzen, Druckempfindlichkeit, Schwäche oder Krämpfe, besonders zusammen mit Unwohlsein oder Fieber, oder durch einen rotbraun verfärbten Urin. Dann nehmen Sie Simvastatin nicht weiter ein und wenden sich umgehend an einen Arzt oder die Notaufnahme, denn ein Muskelzerfall kann die Nieren schädigen und lebensbedrohlich sein. Die Packungsbeilage nennt diese Muskelerkrankung unter den selten berichteten schwerwiegenden Nebenwirkungen; selten bedeutet dort: bei bis zu 1 von 1.000 Behandelten.

Das Risiko für Muskelerkrankungen steigt mit der Dosis, besonders bei 80 mg, und bei folgenden Personen:

  • Menschen, die in erheblichem Maße Alkohol trinken
  • Menschen mit Nierenfunktionsstörungen oder Schilddrüsenerkrankungen
  • Menschen ab 65 Jahren
  • Frauen
  • Menschen, die unter einem Statin oder Fibrat schon einmal eine Muskelerkrankung hatten
  • Menschen mit einer erblichen Muskelerkrankung oder einer solchen Erkrankung in der Familie

Wechselwirkungen: Arzneimittel und Grapefruit

Manche Arzneimittel erhöhen zusammen mit Simvastatin das Risiko für Muskelerkrankungen. Einige sind deshalb ganz ausgeschlossen, bei anderen kann der Arzt die Dosis senken oder die Behandlung unterbrechen. Teilen Sie bei jeder neuen Verordnung mit, dass Sie Simvastatin nehmen. Nehmen Sie etwa Amlodipin gegen Bluthochdruck, ist das auch für die Dosis von Simvastatin wichtig. Grapefruitsaft verändert den Abbau von Simvastatin und sollte laut Packungsbeilage gemieden werden.

Fibrate sind ein Sonderfall: Gemfibrozil ist ausgeschlossen, für Fenofibrat gibt es dagegen eine feste Kombination mit Simvastatin. Laut Fachinformation ist sie für Erwachsene mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko und gemischter Dyslipidämie gedacht, wenn das LDL-Cholesterin mit Simvastatin allein angemessen eingestellt ist; sie soll die Triglyzeride senken und das HDL-Cholesterin erhöhen.

Wirkstoff oder GruppeWas die Packungsbeilage vorsieht
Pilzmittel Itraconazol, Ketoconazol, Posaconazol, Voriconazolnicht zusammen mit Simvastatin
Antibiotika Erythromycin, Clarithromycin, Telithromycinnicht zusammen mit Simvastatin
HIV-Proteasehemmer wie Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir, Saquinavir sowie Cobicistatnicht zusammen mit Simvastatin
Boceprevir und Telaprevir gegen Hepatitis Cnicht zusammen mit Simvastatin
Nefazodon, Gemfibrozil, Ciclosporin, Danazolnicht zusammen mit Simvastatin
Fusidinsäurenicht kombinieren, auch nicht nach einer Einnahme in den letzten 7 Tagen; Simvastatin wird vorübergehend abgesetzt, und der Arzt sagt, wann es weitergeht
Lomitapidhöchstens 40 mg Simvastatin täglich
Fluconazol, Fibrate wie Bezafibrat, Elbasvir, Grazoprevir, Amiodaron, Verapamil, Diltiazem, Amlodipin, Ticagrelor, Colchicinhöheres Risiko für Muskelerkrankungen; der Arzt kann eine niedrigere Dosis wählen
DaptomycinMuskelnebenwirkungen können häufiger sein; der Arzt kann eine Pause mit Simvastatin anordnen
Warfarin, Phenprocoumon, Acenocoumarol, Fenofibrat, Niacin, Rifampicindem Arzt ausdrücklich mitteilen

Seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen

Neben dem Muskelzerfall nennt die Packungsbeilage weitere schwerwiegende Nebenwirkungen. Treten sie auf, nehmen Sie Simvastatin nicht weiter ein und wenden sich umgehend an einen Arzt oder die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses.

  • selten: Überempfindlichkeitsreaktionen, etwa Schwellungen von Gesicht, Zunge und Rachen mit Atem- oder Schluckproblemen (Angioödem), starke Muskelschmerzen in Schultern und Becken, Gefäßentzündung, Nesselsucht, Lichtempfindlichkeit, Fieber, Atemnot oder ein lupusähnliches Krankheitsbild
  • selten: Leberentzündung oder Gelbsucht mit Gelbfärbung von Haut und Augen, Juckreiz, dunklem Urin oder hellem Stuhl
  • selten: Entzündung der Bauchspeicheldrüse, oft mit starken Bauchschmerzen
  • sehr selten: schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie), Leberversagen, Hautausschlag oder Geschwüre im Mund (lichenoide Arzneimittelexantheme), Muskelriss, Brustvergrößerung bei Männern

Weitere Nebenwirkungen, Myasthenie und Blutzucker

Selten oder sehr selten berichtet werden unter anderem Blutarmut, Taubheit oder Schwäche in Armen und Beinen, Kopfschmerzen, Schwindel, verschwommenes Sehen, Verdauungsbeschwerden, Hautausschlag, Juckreiz, Haarausfall, Schlaflosigkeit und Gedächtnisstörungen. Mit unbekannter Häufigkeit kommen Erektionsstörungen, Depression, eine Entzündung der Lunge mit anhaltendem Husten oder Atemnot und Sehnenerkrankungen bis zum Sehnenriss vor. Im Blut können Leberwerte und das Muskelenzym Kreatinkinase steigen.

Statine können eine Myasthenie, also eine krankhafte Muskelschwäche, manchmal verschlimmern oder auslösen; das gilt auch für die okuläre Form, bei der die Augenmuskeln schwach werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn sich eine Schwäche in Armen oder Beinen nach Aktivität verstärkt, wenn Sie doppelt sehen, die Lider hängen, das Schlucken schwerfällt oder Sie kurzatmig werden.

Bei erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerten, Übergewicht und hohem Blutdruck steigt unter der Behandlung das Risiko für eine Zuckerkrankheit; der Arzt überwacht dann engmaschig. Vor Beginn werden die Blutwerte untersucht, bei Anzeichen von Leberproblemen auch während der Behandlung.

Gegenanzeigen, Schwangerschaft und Vorsicht

Simvastatin darf laut Packungsbeilage nicht genommen werden bei einer Allergie gegen den Wirkstoff oder einen sonstigen Bestandteil, bei einer bestehenden Lebererkrankung, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie zusammen mit den in der Tabelle oben ausgeschlossenen Arzneimitteln. Auch wer eine Schwangerschaft plant oder vermutet, nimmt Simvastatin nicht ein. Tritt während der Behandlung eine Schwangerschaft ein, unterbrechen Sie die Einnahme sofort und informieren Ihren Arzt.

Teilen Sie dem Arzt außerdem mit, wenn Sie in erheblichem Maße Alkohol trinken, früher eine Lebererkrankung hatten, eine Myasthenie haben oder hatten oder an schweren Atemproblemen leiden. Für Menschen asiatischer Abstammung kann eine andere Dosis geeignet sein. Steht eine Operation an, muss Simvastatin unter Umständen zeitweise abgesetzt werden. Manchen Menschen wird nach der Einnahme schwindlig; dann fahren Sie erst wieder Auto oder bedienen Maschinen, wenn es Ihnen besser geht.

Wann ein Arztbesuch vor Ort nötig ist

Eine Statinbehandlung braucht Blutkontrollen und regelmäßige ärztliche Gespräche über Zielwerte und Risiko; ein Fragebogen ersetzt diese nicht. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, bei schwerer Atemnot, Bewusstlosigkeit oder Zeichen eines Herzinfarkts den Notruf 112. Persönlich ärztlich abklären lassen sollten Sie vor allem:

  • Muskelschmerzen mit rotbraunem Urin, Fieber oder starkem Unwohlsein
  • eine Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunklen Urin oder hellen Stuhl
  • starke Bauchschmerzen
  • anhaltenden Husten, Kurzatmigkeit oder Fieber
  • eine Schwangerschaft oder einen Kinderwunsch
  • die Verordnung eines Mittels, das nicht mit Simvastatin kombiniert werden darf
  • eine geplante Steigerung auf 80 mg

Folgerezept für Simvastatin: so läuft die ärztliche Prüfung

Wenn Sie Simvastatin bereits nehmen, können Sie über einen medizinischen Fragebogen eine ärztliche Verschreibung anfragen. Die Angaben beurteilt der Arzt Damian Wojno (polnische Approbation, Nr. 3211301). Er kann Unterlagen anfordern, etwa Ihre letzten Blutfett- und Leberwerte oder einen Medikationsplan, und er kann die Verschreibung ablehnen oder Ihnen eine Untersuchung vor Ort empfehlen. Ein Anspruch auf eine Verschreibung besteht nicht, und eine Videosprechstunde, ein Telefonat oder ein Live-Chat gehören nicht zum Ablauf.

Nennen Sie in der Anfrage Stärke und Tagesdosis und alle Mittel, die Sie zusätzlich nehmen, auch rezeptfreie; gerade bei Simvastatin hängt die Beurteilung stark von den Begleitmedikamenten ab. Fällt die Prüfung positiv aus, erhalten Sie die ärztliche Verschreibung als PDF per E-Mail. Über die Abgabe entscheidet die Apotheke. Mehr zum Ablauf lesen Sie auf der Seite zum Folgerezept.

Was kostet das?

Für die ärztliche Prüfung wird eine Gebühr fällig; wie hoch sie ist, sehen Sie am Button vor dem Absenden. Das Medikament bezahlen Sie in der Apotheke. Ob Ihre gesetzliche Krankenkasse oder private Krankenversicherung etwas davon erstattet, klären Sie direkt mit ihr. Möchten Sie Simvastatin als Kassenleistung erhalten, ist die Verordnung aus Ihrer Hausarztpraxis der übliche Weg.

Ist Simvastatin rezeptfrei?

Nein. Simvastatin steht ohne Einschränkung in Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung. Alle Stärken sind damit verschreibungspflichtig und werden in der Apotheke nur gegen eine ärztliche Verschreibung abgegeben.

Warum soll Simvastatin abends eingenommen werden?

Laut Packungsbeilage bildet die Leber Cholesterin hauptsächlich in der Nacht, deshalb wird die Tablette abends mit einem Glas Wasser genommen. Ob Sie dazu etwas essen, ist ohne Bedeutung.

Darf ich unter Simvastatin Grapefruit essen?

Besser nicht. Das Gesundheitsportal des IQWiG rät, während einer Statinbehandlung auf Grapefruit zu verzichten, weil die Frucht den Abbau des Medikaments in der Leber hemmen kann. Die Packungsbeilage nennt ausdrücklich Grapefruitsaft.

Was tun, wenn ich ein Antibiotikum verschrieben bekomme?

Sagen Sie dem verordnenden Arzt, dass Sie Simvastatin nehmen. Erythromycin, Clarithromycin und Telithromycin dürfen laut Packungsbeilage nicht zusammen mit Simvastatin genommen werden, und bei Fusidinsäure wird Simvastatin vorübergehend abgesetzt. Wann Sie wieder beginnen, legt der Arzt fest.

Wie lange muss ich Simvastatin nehmen?

So lange, wie der Arzt es verordnet. Wird Simvastatin abgesetzt, können die Cholesterinwerte wieder ansteigen; besprechen Sie ein Absetzen deshalb vorher mit Ihrem Arzt.

Wird die Verschreibung in der Apotheke beliefert?

Über die Abgabe entscheidet die Apotheke. Apotheken achten unter anderem auf die Unterschrift, und Verschreibungen aus anderen EU-Staaten werden in Deutschland nicht immer beliefert. Weil der Arzt, der die Anfrage prüft, in Polen approbiert ist, fragen Sie am besten vor der Anfrage in Ihrer Apotheke nach.