Sildenafil, Tadalafil oder Vardenafil: Wirkdauer und Unterschiede im Überblick
Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil im Vergleich: wie schnell und wie lange sie wirken, wie man sie einnimmt und wie Sie ein Rezept anfragen. Alle drei gehören zur selben Wirkstoffgruppe, unterscheiden sich aber in Details, die im Alltag zählen. Welcher Wirkstoff passt, entscheidet ein Arzt anhand Ihres Fragebogens, und er kann eine Verordnung auch ablehnen.
- Fragebogen zu Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamenten ausfüllen
- Der Arzt prüft Gegenanzeigen wie Nitrate und fragt bei Bedarf nach
- Bei positiver Entscheidung kommt das Rezept als PDF per E-Mail
- Bezahlung mit Karte, Apple Pay, Google Pay oder Klarna
Ein Wirkprinzip, drei Wirkstoffe
Alle drei Wirkstoffe sind PDE-5-Hemmer. Sie bremsen ein Enzym in den Schwellkörpern des Penis, sodass sich die Gefäße bei sexueller Erregung leichter weiten und mehr Blut einströmen kann. Von allein entsteht dadurch keine Erektion: Ohne sexuelle Stimulation passiert nichts, und auf die Lust selbst wirken die Mittel nicht.
Für alle drei gelten dieselben Grundregeln aus den Fachinformationen: höchstens eine Einnahme pro Tag, keine Kombination zweier PDE-5-Hemmer und keine eigenmächtige Dosiserhöhung, wenn die Wirkung beim ersten Versuch schwächer ausfällt als erhofft. Die Unterschiede liegen darin, wie früh die Wirkung einsetzt, wie lange das Zeitfenster offen bleibt und wie stark eine Mahlzeit die Aufnahme bremst.
Wirkeintritt und Wirkdauer im Vergleich
Sildenafil wird laut Fachinformation etwa eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen. In einer Messstudie dauerte es im Mittel 25 Minuten bis zu einer ausreichend festen Erektion, und auch vier bis fünf Stunden nach der Einnahme ließ sich noch eine Erektion auslösen. Die Halbwertszeit liegt bei drei bis fünf Stunden. Nach einem Essen kann die Wirkung später einsetzen.
Vardenafil nimmt man etwa 25 bis 60 Minuten vorher ein, bei manchen Männern genügte in Studien schon eine Viertelstunde. Die Halbwertszeit beträgt etwa vier bis fünf Stunden, und wie bei Sildenafil kann eine fettreiche Mahlzeit den Wirkeintritt verzögern.
Tadalafil unterscheidet sich am deutlichsten. Es wird mindestens 30 Minuten vorher eingenommen, seine Halbwertszeit liegt bei etwa 17,5 Stunden, und in den Zulassungsstudien verbesserte es die Erektionsfähigkeit bis zu 36 Stunden nach der Einnahme. Essen beeinflusst die Aufnahme nicht. Für Männer, die das Mittel voraussichtlich mindestens zweimal pro Woche brauchen, sieht die Fachinformation zusätzlich eine tägliche Einnahme in niedriger Dosis vor; ob das sinnvoll ist, entscheidet der Arzt und überprüft es in regelmäßigen Abständen.
Nebenwirkungen: viel Gemeinsames, einige Unterschiede
Weil alle drei Wirkstoffe Gefäße erweitern, ähneln sich die häufigen Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, eine verstopfte Nase, Schwindel und Verdauungsbeschwerden. Meist sind sie leicht und klingen von selbst ab.
Im Detail gibt es Unterschiede. Bei Sildenafil werden häufig Sehstörungen beschrieben, etwa ein Farbstich oder verschwommenes Sehen. Bei Tadalafil gehören Rücken- und Muskelschmerzen zu den am häufigsten berichteten Beschwerden. Vardenafil kann das QT-Intervall im EKG leicht verlängern; bei einer angeborenen QT-Verlängerung oder bei Medikamenten mit derselben Wirkung ist das ein Grund, genauer hinzusehen.
Zwei Warnzeichen gelten für alle drei gleich. Hält eine Erektion länger als vier Stunden an, brauchen Sie umgehend ärztliche Hilfe, weil das Gewebe sonst dauerhaft geschädigt werden kann. Tritt plötzlich eine Sehstörung oder ein Sehverlust auf, nehmen Sie das Mittel nicht mehr und lassen sich umgehend ärztlich untersuchen.
Wie der Arzt den passenden Wirkstoff auswählt
Einen besten Wirkstoff für alle gibt es nicht. Der Arzt wägt ab, was zu Ihrem Alltag und Ihrer Gesundheit passt. Eine Rolle spielt, wie planbar Sexualität für Sie ist: Manchen Männern genügt ein Zeitfenster von einigen Stunden, andere bevorzugen den längeren Spielraum von Tadalafil. Auch Essgewohnheiten zählen, denn bei Sildenafil und Vardenafil kann eine fettreiche Mahlzeit die Wirkung hinauszögern.
Schwerer wiegen Ihre anderen Medikamente. Mit Alphablockern wie Tamsulosin oder Doxazosin, die bei Prostatabeschwerden oder Bluthochdruck eingesetzt werden, kann der Blutdruck stärker sinken; die Fachinformationen verlangen dann eine stabile Einstellung auf den Alphablocker und einen Beginn mit niedriger Dosis. Bestimmte HIV-Medikamente wie Ritonavir bremsen den Abbau stark: Mit Vardenafil sind sie kontraindiziert, bei Sildenafil wird von der Kombination abgeraten. Auch eine eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion beeinflusst Wahl und Dosis.
Und schließlich zählt Ihre Erfahrung. Haben Sie einen Wirkstoff bereits gut vertragen, ist die Fortführung meist der einfachste Weg. Hat ein Mittel nicht ausreichend gewirkt oder Beschwerden gemacht, kann der Arzt einen Wechsel erwägen. Die Dosis legt er fest.
Wann keiner der drei Wirkstoffe infrage kommt
Manche Situationen schließen alle PDE-5-Hemmer aus, unabhängig vom Präparat. Das sind keine bloßen Vorsichtshinweise, sondern Gegenanzeigen laut Fachinformation: die Einnahme von Nitraten in jeder Form, auch als Spray bei Angina pectoris, oder von Riociguat; ein Herzinfarkt oder Schlaganfall in den letzten sechs Monaten; eine schwere Leberfunktionsstörung; ein Blutdruck unter 90/50 mmHg; erbliche Netzhauterkrankungen wie Retinitis pigmentosa; und ein früherer plötzlicher Sehverlust auf einem Auge durch eine Durchblutungsstörung des Sehnervs (NAION).
Bei instabiler Angina pectoris oder schwerer Herzschwäche gehört die Entscheidung in eine persönliche Untersuchung bei Ihrer behandelnden Praxis, denn Sexualität ist körperliche Anstrengung. Dasselbe gilt, wenn Sie bei Belastung Brustschmerzen oder Atemnot bekommen.
Fragebogen, Rezept und Apotheke
Im Fragebogen geben Sie unter anderem an, ob Sie Nitrate oder Riociguat einnehmen, ob Sie in den letzten sechs Monaten einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten, wie es um Ihren Blutdruck steht, ob Sie einen Alphablocker nehmen, ob Sie je plötzlich auf einem Auge das Sehen verloren haben und ob Sie ein solches Mittel schon vertragen haben. Ein Arzt prüft die Angaben schriftlich, ohne Videosprechstunde und ohne Telefonat. Er kann nachfragen, Unterlagen anfordern oder ablehnen.
Hält er eine Verordnung für vertretbar, erhalten Sie ein Privatrezept als PDF per E-Mail. Das Dokument drucken Sie aus und bringen es zusammen mit Ihrem Personalausweis oder Reisepass in eine Apotheke. Ob dort ein Präparat abgegeben wird, entscheidet das pharmazeutische Personal. Bezahlen müssen Sie das Medikament selbst, denn Arzneimittel gegen Erektionsstörungen sind nach Paragraf 34 SGB V von der Versorgung durch die gesetzliche Krankenkasse ausgeschlossen.
Erektionsstörungen können ein frühes Zeichen für Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes sein. Lassen Sie Blutdruck, Blutzucker und Blutfette deshalb auch dann in Ihrer Hausarztpraxis kontrollieren, wenn das Mittel gut wirkt.
Welcher der drei Wirkstoffe wirkt am längsten?
Tadalafil. In den Zulassungsstudien verbesserte es die Erektionsfähigkeit bis zu 36 Stunden nach der Einnahme. Bei Sildenafil ließ sich in einer Messstudie noch vier bis fünf Stunden nach der Einnahme eine Erektion auslösen, und Vardenafil hat eine ähnlich kurze Halbwertszeit. Länger ist aber nicht automatisch besser: Entscheidend ist, was zu Ihrem Alltag und Ihren anderen Medikamenten passt.
Kann ich von einem Wirkstoff auf einen anderen wechseln?
Ja, wenn der Arzt das für sinnvoll hält, etwa weil ein Mittel nicht ausreichend gewirkt oder Beschwerden gemacht hat. Geben Sie im Fragebogen an, welches Mittel Sie bisher in welcher Dosis genommen haben und wie Sie es vertragen haben. Zwei PDE-5-Hemmer kombiniert man nicht.
Wirken die Mittel auch ohne sexuelle Lust?
Nein. Sie verstärken nur die körperliche Reaktion auf sexuelle Stimulation. Fehlt die Lust, etwa wegen Stress, Erschöpfung oder Problemen in der Beziehung, hilft ein Gespräch in einer Praxis vor Ort oft mehr als ein Medikament.
Ich nehme nur selten ein Nitrospray. Gilt die Gegenanzeige trotzdem?
Ja. Die Fachinformationen schließen Nitrate in jeder Form aus, auch bei gelegentlicher Anwendung und auch sogenannte Poppers mit Amylnitrit, weil der Blutdruck gefährlich abfallen kann. Nach der letzten Einnahme von Tadalafil sollen mindestens 48 Stunden vergehen, bevor in einem Notfall ein Nitrat gegeben wird. Sagen Sie Rettungsdienst und Notaufnahme deshalb immer, was Sie genommen haben.