Xarelto: Wirkung und Einnahme

Xarelto enthält den Gerinnungshemmer Rivaroxaban, einen direkten Faktor-Xa-Hemmer aus der Gruppe der DOAK. Er wird vor allem zur Schlaganfallvorbeugung bei Vorhofflimmern sowie zur Behandlung und Vorbeugung von Thrombosen und Lungenembolien eingesetzt. Diese Seite fasst nach der Fachinformation zusammen, welche Stärke wofür gedacht ist, warum es bei 15 und 20 mg auf die Mahlzeit ankommt, welche Blutungszeichen ernst sind und was vor Eingriffen gilt.

Anwendungsgebiete und Stärken

Rivaroxaban gibt es als Filmtabletten zu 2,5, 10, 15 und 20 mg und als Granulat zur Herstellung einer Suspension für Kinder. Jede Stärke hat eigene Anwendungsgebiete; welche verordnet wird, hängt von der Erkrankung, dem Behandlungsabschnitt und der Nierenfunktion ab. Beim Vorhofflimmern geht es um die nicht valvuläre Form, also eine Rhythmusstörung, die nicht durch eine Herzklappenerkrankung bedingt ist; mehr dazu bietet der Überblick zu Herz- und Blutdruckmedikamenten.

Kinder und Jugendliche mit venösen Thromboembolien erhalten eine Dosis nach Körpergewicht, nachdem sie mindestens fünf Tage mit einem gespritzten Gerinnungshemmer behandelt wurden. Die Tabelle zeigt die Angaben der Fachinformation für Erwachsene.

StärkeAnwendung bei ErwachsenenÜbliche DosierungEinnahme
2,5 mgVorbeugung atherothrombotischer Ereignisse nach akutem Koronarsyndrom sowie bei koronarer Herzkrankheit oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit mit hohem Risiko, jeweils zusätzlich zu ASSzweimal täglichunabhängig von den Mahlzeiten
10 mgThrombosevorbeugung nach geplantem Hüft- oder Kniegelenkersatz (in der Regel 5 beziehungsweise 2 Wochen); verlängerte Vorbeugung erneuter Thrombosen nach mindestens 6 Monaten Behandlungeinmal täglichunabhängig von den Mahlzeiten
15 mgerste drei Wochen der Behandlung einer Thrombose oder Lungenembolie; Schlaganfallvorbeugung bei Vorhofflimmern und eingeschränkter Nierenfunktionzweimal täglich in den ersten drei Wochen, bei Vorhofflimmern einmal täglichmit einer Mahlzeit
20 mgSchlaganfallvorbeugung bei nicht valvulärem Vorhofflimmern; Weiterbehandlung und Vorbeugung erneuter Thrombosen oder Lungenembolieneinmal täglichmit einer Mahlzeit

Wie Rivaroxaban wirkt

Rivaroxaban hemmt den Gerinnungsfaktor Xa direkt und verringert so die Neigung des Blutes, Gerinnsel zu bilden. Die höchste Konzentration im Blut wird zwei bis vier Stunden nach der Einnahme erreicht, die Halbwertszeit liegt bei jüngeren Erwachsenen bei etwa 5 bis 9 Stunden, bei älteren bei 11 bis 13 Stunden. Anders als bei Phenprocoumon gibt es keine Einstellung nach dem INR-Wert: Laut Fachinformation ist der INR für die Wirkung von Rivaroxaban nicht aussagekräftig, und der Wirkstoffspiegel muss nicht routinemäßig gemessen werden.

Die Fachinformation empfiehlt trotzdem eine klinische Überwachung während der gesamten Behandlung. Laborwerte wie Hämoglobin und Hämatokrit können helfen, eine unbemerkte Blutung zu erkennen, und die Nierenfunktion bestimmt mit, welche Dosis passt. Wie sich Rivaroxaban von anderen Gerinnungshemmern unterscheidet, zeigt die Übersicht zu Blutverdünnern; Apixaban, ein weiterer Faktor-Xa-Hemmer, ist auf der Seite zu Eliquis beschrieben.

Warum die Mahlzeit bei 15 und 20 mg zählt

Die Tabletten zu 15 mg und 20 mg müssen zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden. Den Grund nennt die Fachinformation: Auf nüchternen Magen wird von einer 20-mg-Tablette nur ein Teil aufgenommen, die Bioverfügbarkeit lag dann bei 66 Prozent. Mit einer Mahlzeit stieg die aufgenommene Menge im Mittel um 39 Prozent, die Aufnahme ist dann nahezu vollständig. Ohne Essen gelangt also weniger Wirkstoff ins Blut, als die Dosis vorsieht. Bei 2,5 mg und 10 mg beeinflusst die Nahrung die Aufnahme nicht; diese Stärken können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.

Schlucken Sie die Tablette am besten mit Wasser und jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit. Wer Tabletten nicht als Ganzes schlucken kann, bespricht das mit der Praxis; laut Fachinformation dürfen sie unmittelbar vor der Einnahme zerstoßen und mit Wasser oder Apfelmus gemischt werden, bei 15 mg und 20 mg wird direkt danach gegessen. Soll ein unregelmäßiger Herzschlag durch eine Kardioversion normalisiert werden, nehmen Sie Rivaroxaban genau zu den ärztlich genannten Zeitpunkten ein. Beenden Sie die Einnahme nicht ohne Rücksprache, denn mit Rivaroxaban werden schwerwiegende Erkrankungen behandelt oder verhindert.

Einnahme vergessen oder zu viel genommen

Was nach einer vergessenen Tablette zu tun ist, hängt vom Einnahmeschema ab. Für 2,5 mg und 10 mg stehen eigene Regeln in der jeweiligen Packungsbeilage; für 15 mg und 20 mg gilt laut Gebrauchsinformation:

  • Einnahme einmal täglich: Holen Sie die Tablette nach, sobald Sie daran denken, nehmen Sie aber an einem Tag nicht mehr als eine Tablette. Am Folgetag geht es mit einer Tablette wie gewohnt weiter.
  • 15 mg zweimal täglich in den ersten drei Wochen: Holen Sie die vergessene Dosis nach, sobald Sie daran denken. Damit die Tagesdosis von 30 mg erreicht wird, dürfen in diesem Fall zwei 15-mg-Tabletten zusammen eingenommen werden, mehr als zwei an einem Tag jedoch nicht.
  • Zu viele Tabletten: Melden Sie sich umgehend in einer Praxis oder, wenn sie geschlossen ist, beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, weil eine Überdosis das Blutungsrisiko erhöht; bei Blutungszeichen wählen Sie den Notruf 112.

Nebenwirkungen

Wie andere Gerinnungshemmer kann Rivaroxaban Blutungen verursachen, die lebensbedrohlich sein können; manche bleiben zunächst unsichtbar. Häufig, also bei bis zu einer von zehn behandelten Personen, kommen laut Gebrauchsinformation vor: Blutungen aus Nase, Zahnfleisch, Magen-Darm-Trakt oder Urogenitalbereich einschließlich Blut im Urin und starker Monatsblutung, Blutergüsse, Blutarmut mit Blässe und Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, niedriger Blutdruck, Fieber, Magenschmerzen, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall, Hautausschlag, Juckreiz und erhöhte Leberwerte.

Gelegentlich, bei bis zu einer von hundert Personen, treten Blutungen in das Gehirn oder innerhalb des Schädels auf, außerdem Gelenkblutungen, Ohnmacht, allergische Reaktionen und ein Mangel an Blutplättchen. Sehr selten sind schwere Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom, die toxische epidermale Nekrolyse und das DRESS-Syndrom, meist in den ersten Behandlungswochen. Bei einem sich ausbreitenden, starken oder blasenbildenden Hautausschlag, vor allem mit Wunden an Mund oder Augen, muss Rivaroxaban laut Fachinformation abgesetzt werden; informieren Sie dann sofort Ihre Praxis.

Warnzeichen, die keinen Aufschub dulden

Einige Beschwerden deuten auf eine schwere Blutung oder Reaktion hin. Dann sollten Sie nicht abwarten:

  • Einseitige Schwäche, Erbrechen, Krampfanfälle, Benommenheit oder ein steifer Nacken zusammen mit Kopfschmerzen können eine Blutung im Schädel anzeigen: Notruf 112.
  • Anschwellen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen, Probleme beim Schlucken oder Atmen und ein plötzlicher Blutdruckabfall sprechen für eine schwere allergische Reaktion: Notruf 112.
  • Blutungen, die nicht aufhören oder sehr stark sind, blutiges oder kaffeesatzartiges Erbrechen sowie roter oder schwarzer Stuhl brauchen umgehend ärztliche Hilfe, bei starkem Blutverlust über die 112.
  • Ungewöhnliche Schwäche, Müdigkeit, Blässe, Schwindel, unerklärliche Schwellungen, Atemlosigkeit oder Brustschmerzen lassen Sie umgehend in einer Praxis abklären, außerhalb der Praxiszeiten unter 116 117 beim ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Nicht empfohlen wird Rivaroxaban zusammen mit Pilzmitteln wie Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol oder Posaconazol, sofern sie nicht nur auf der Haut angewendet werden, und mit HIV-Proteasehemmern wie Ritonavir. Diese Wirkstoffe bremsen die Ausscheidung über zwei Wege zugleich und erhöhen den Rivaroxaban-Spiegel im Mittel auf etwa das 2,6-Fache. Dronedaron, ein Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, sollte nicht gleichzeitig gegeben werden. Clarithromycin, Erythromycin und Fluconazol erhöhen den Spiegel weniger stark; das ist laut Fachinformation meist ohne Bedeutung, kann bei Menschen mit hohem Risiko oder eingeschränkter Nierenfunktion aber relevant sein.

Das Blutungsrisiko steigt mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln wie Naproxen, mit Acetylsalicylsäure, mit Plättchenhemmern wie Clopidogrel und mit Antidepressiva aus den Gruppen SSRI und SNRI. Andere Gerinnungshemmer wie Heparine, Apixaban, Dabigatran oder Warfarin dürfen nicht gleichzeitig eingenommen werden, außer beim ärztlich geplanten Wechsel. Abgeschwächt wird die Wirkung durch Rifampicin, die Antiepileptika Phenytoin, Carbamazepin und Phenobarbital sowie Johanniskraut; diese Kombinationen sollen vermieden oder eng überwacht werden. Legen Sie deshalb bei jeder Verordnung Ihren vollständigen Medikationsplan vor.

Gegenanzeigen und besondere Vorsicht

Rivaroxaban darf nicht eingenommen werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen sonstigen Bestandteil, bei einer akuten, klinisch relevanten Blutung, bei Erkrankungen mit hohem Risiko für schwere Blutungen, etwa einem frischen Magen- oder Darmgeschwür, einer kürzlichen Hirnblutung oder einer kürzlichen Operation an Gehirn, Rückenmark oder Augen, bei Lebererkrankungen mit Gerinnungsstörung, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie zusammen mit anderen Gerinnungshemmern außer beim Wechsel. Für die 2,5-mg-Tabletten kommen weitere Gegenanzeigen hinzu, etwa ein früherer Schlaganfall oder eine TIA bei der Behandlung nach akutem Koronarsyndrom zusammen mit Plättchenhemmern.

Bei einer Kreatinin-Clearance von 15 bis 29 ml/min ist Vorsicht geboten, unter 15 ml/min wird Rivaroxaban nicht empfohlen. Nicht empfohlen wird es außerdem bei künstlichen Herzklappen, kurz nach einem kathetergestützten Aortenklappenersatz (TAVI) und bei einem Antiphospholipid-Syndrom mit Thrombose in der Vorgeschichte. Frauen, die schwanger werden können, sollten zuverlässig verhüten und eine Schwangerschaft sofort ärztlich mitteilen.

Die Tabletten enthalten Lactose. Weil Schwindel häufig und Ohnmacht gelegentlich vorkommen, sollten Betroffene weder Auto noch Fahrrad fahren und keine Maschinen bedienen.

Vor Operationen und Zahnbehandlungen

Sagen Sie vor jedem Eingriff, auch in der Zahnarztpraxis, dass Sie Rivaroxaban einnehmen, und zeigen Sie den Patientenausweis aus der Packung. Für 10, 15 und 20 mg sieht die Fachinformation vor, die Einnahme mindestens 24 Stunden vor einem geplanten Eingriff zu beenden, für 2,5 mg mindestens 12 Stunden, jeweils nur, wenn das möglich und ärztlich vertretbar ist. Nach dem Eingriff wird so bald wie möglich weiterbehandelt, sobald die Blutstillung ausreicht. Die Entscheidung trifft die Praxis, die den Eingriff durchführt; pausieren Sie nicht auf eigene Faust.

Bei einer Spinal- oder Periduralanästhesie legt das Narkoseteam feste Abstände zwischen der letzten Tablette, der Punktion und der Entfernung eines Katheters fest. Taubheit oder Schwäche in den Beinen sowie Probleme mit Darm oder Blase nach einer solchen Betäubung sind ein Notfall und müssen sofort gemeldet werden.

Was kostet das?

Zu den Kosten einzelner Präparate machen wir keine Angaben. Rivaroxaban ist verschreibungspflichtig und fällt nicht unter die Ausschlüsse von § 34 Abs. 1 SGB V; ausgeschlossen sind dort etwa nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel sowie Mittel, die überwiegend der Raucherentwöhnung, der Behandlung von Erektionsstörungen oder der Abmagerung dienen. Neben dem Originalpräparat sind Arzneimittel anderer Hersteller mit demselben Wirkstoff zugelassen.

Muss Xarelto zum Essen eingenommen werden?

Bei den Stärken 15 mg und 20 mg ja: Diese Tabletten gehören laut Fachinformation zu einer Mahlzeit, weil auf nüchternen Magen deutlich weniger Wirkstoff aufgenommen wird. Die Stärken 2,5 mg und 10 mg können Sie unabhängig vom Essen einnehmen. Bei allen Stärken zählt die regelmäßige Einnahme zur gleichen Tageszeit.

Ist Xarelto verschreibungspflichtig?

Ja. Die EU-Zulassung stuft Xarelto als verschreibungspflichtiges Arzneimittel ein, und Rivaroxaban steht ohne Einschränkung in Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung. Eine Packung ohne Rezept gibt es nicht, auch nicht in niedriger Stärke.

Gibt es Rivaroxaban als Generikum?

Ja. Neben dem Originalpräparat sind Arzneimittel anderer Hersteller mit Rivaroxaban zugelassen, zentral in der EU ebenso wie national in Deutschland. Für die zentral zugelassenen Generika hat die Europäische Arzneimittel-Agentur bewertet, dass sie denselben Wirkstoff enthalten, auf dieselbe Weise wirken und bioäquivalent zum Originalpräparat sind. Welche Hinweise zur Einnahme für Ihr Präparat gelten, steht in dessen Packungsbeilage.

Darf ich mit Xarelto Alkohol trinken?

Die Gebrauchsinformation von Xarelto enthält dazu keinen eigenen Hinweis. Für Gerinnungshemmer allgemein gilt jedoch: Wer regelmäßig viel Alkohol trinkt, hat ein höheres Blutungsrisiko, und Fachleute berücksichtigen das bei der Abwägung der Behandlung. Sprechen Sie Ihren üblichen Konsum deshalb offen in Ihrer Praxis an.

Wofür ist der Patientenausweis?

Jeder Packung liegt ein Patientenausweis bei, in den Dosis, weitere Erkrankungen, andere Medikamente und eine Kontaktperson eingetragen werden. Tragen Sie ihn ständig bei sich und zeigen Sie ihn vor jeder Behandlung in der Arzt- oder Zahnarztpraxis. Er enthält auch den Hinweis für das Fachpersonal, dass der INR-Wert die Wirkung von Rivaroxaban nicht abbildet, was im Notfall wichtig ist.

Was tun bei Nasenbluten unter Xarelto?

Nasenbluten gehört zu den häufigen Nebenwirkungen. Der Patientenausweis von Xarelto zählt es zu den Blutungszeichen, bei denen Sie sofort Ihre Praxis oder Apotheke informieren sollen; dort wird geprüft, ob die Behandlung angepasst oder enger überwacht werden muss. Hört die Blutung nicht auf oder ist sie sehr stark, brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe, bei starkem Blutverlust über den Notruf 112.

Medizinisch geprüft vom Arzt Damian Wojno (polnische Approbation, Nr. 3211301).